Mittwoch, 19. Dezember 2018

Kunst vom Easy Rider

Von Cornelia Brelowski

Foto: B.Klatz

Marin Hopper, älteste Tochter des 2010 verstorbenen Schauspielers und Allround-Künstlers Dennis Hopper, eröffnete im Martin-Gropius-Bau die neue Ausstellung “The Lost Album” mit Fotografien ihres Vaters aus den 60er Jahren. Kuratiert von Petra Giloy-Hirtz zeigt die Ausstellung über 400 Vintage-Fotografien, die jahrzehntelang in fünf Kisten verborgen lagen und erst nach Hoppers Tod von seinen Erben wieder entdeckt wurden.

Dennis Hopper galt nach ersten Kinoerfolgen Anfang der 60er Jahre als schwieriger Schauspieler und geriet auf Hollywood’s “Black List” – jahrelang wollte kein namhafter Regisseur mit ihm arbeiten. Seine damalige Ehefrau Brooke Hayward entdeckte sein fotografisches Talent, schenkte ihm eine Kamera, und in den Folgejahren fotografierte Hopper alles was ihm vor die Linse kam – Familie, Freunde, Kunst, aber auch Straßenszenen und öffentliche Ereignisse in den Zeiten von Rassenunruhen und der Ermordung Kennedys. Seine Bilder sind spontan, intim und poetisch zum einen, zum anderen politisch, scharf beobachtend, zeitgeschichtliche Dokumente. Mit seiner Nikon-Kamera begleitete Hopper Martin Luther King 1965 auf Protestmärschen, er fotografierte Künstlerfreunde wie Paul Newman oder Jane Fonda, aber auch ganz alltägliche Gegenstände, denen er durch seine Kamera eine expressionistische Ästhetik verlieh.

Hoppers Herangehensweise war ebenso spontan wie neuartig – dokumentarisch und künstlerisch zugleich – eine Art Applizierung des „Neuen Sehens“ auf die an sich schon elektrisierte und elektrisierende Umgebung der Kunst- und Filmszene von Los Angeles, die in den 60er Jahren sein natürliches Umfeld bildeten.

Die Ursprünge von Hoppers Interesse an der Fotografie gingen zurück auf die Freundschaft mit seinem Schauspielkollegen James Dean. Dean hatte sich bereits Ende der 50er Jahre, als er und Hopper zusammen in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ und „Giganten“ spielten, mit Hilfe des Fotografen Roy Schatt ernsthaft mit dem Medium Fotografie auseinandergesetzt und drängte Hopper, diese Leidenschaft ebenfalls zu vertiefen. Hopper selbst sagte später: „Ich habe etwas gemacht, von dem ich dachte, dass es eines Tages von Bedeutung sein könnte. In vielerlei Hinsicht waren es wirklich diese Fotos, die meine Kreativität vorantrieben.“

Die Nikon wurde zu Hopper’s ständiger Begleiterin. “Sie hing eigentlich immer um seinen Hals, egal wo er hinging,” erinnert sich Tochter Marin. So hielt er ganz „nebenbei“ die wichtigen Eckdaten der 60er Jahre aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel heraus fest: Die Beat-Generation, die künstlerische Avantgarde, die Liga der jungen Rebellen unter den Hollywood-Schauspielern, die sexuelle Revolution und die Bürgerrechtsbewegung. Sein Bild der Jane Fonda mit Pfeil und Bogen im Bikini am Strand von Malibu steht nicht nur für Frauenemanzipation, sondern für die Freiheit im Ausdruck einer ganzen Generation, die sich von den engen Doktrinen der Nachkriegszeit komplett verabschiedet hatte.

Die wieder entdeckten Aufnahmen des “Verlorenen Albums” werden nun erstmalig in Europa gezeigt, worauf Museumsdirektor Gereon Sievernich zu Recht stolz ist. Das beeindruckende Konvolut bietet nicht nur einen “Besuch in Dennis Hoppers Welt”, wie es seine Tochter Marin empfindet, sondern auch einen authentischen künstlerischen Einblick in eine Zeit, die nichts an Faszination eingebüßt hat und deren Einfluss noch immer nachwirkt.


Dennis Hopper: The Lost Album
Vintage-Fotografien aus den 1960er Jahren
Ausstellung vom 20. September bis 17. Dezember 2012
Geöffnet Mittwoch bis Montag 10-19 Uhr (DI geschlossen)
Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7
www.gropiusbau.de

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