Dienstag, 12. November 2019

Heimatfest in der Naunynstraße

Von bedmin

Mit dem Festival „Black Lux – Ein Heimatfest aus Schwarzen Perspektiven“ startet das Ballhaus Naunynstraße in die neue Spielzeit. Internationale Gastspiele, eine Eigenproduktion, szenische Lesungen, begleitende Ausstellungen, Videokunst und Klanginstallationen werden vom 28. August bis zum 30 September an der Naunynstraße zu sehen sein.

Schon in der letzten Spielzeit beteiligte sich das Kreuzberger Haus mit regelmäßigen Diskussionsveranstaltungen an der erhitzt geführten Debatte zu schwarzer Identität und Rassismus. Als Labor für Strategien des Aufbegehrens gegen Diskriminierung will das postmigrantische Theater eine Bühne für translokale Perspektiven bieten. Und nun, fanden die Macher, ist es höchste Zeit für ein Heimatfest!

Mit den internationalen und deutschen Inszenierungen und dem breit gefächerten Rahmenprogramm schafft „Black Lux“ einen prall gefüllten Raum des interdisziplinären Austauschs und führt erstmals aktuelle internationale Performance-Arbeiten mit Impulsen aus der deutschen Kunstszene zusammen. Alle Künstlern, ob sie nun in Afrika, Lateinamerika oder Westeuropa leben, verbindet die grenzgängerische Konfrontation mit der eigenen Identität, wenn Sprache, Körperlichkeit und Geschlechterrollen in kreativer Widerständigkeit erkundet werden.

Eröffnet wird das Festival mit der Deutschlandpremiere „Women Part Two – you might think I’m crazy but I’m serious“ von Cie Artincidence aus Martinique, choreographiert von Annabel Guérédrat. Das von der Sängerin Nina Simone und anderen starken Frauen inspirierte Stück erkundet den weiblichen Körper als einen politischen, und untersucht die Fantasien, die auf ihn projiziert werden.

Ein Doppelabend verbindet zwei Kurzperformances zum Thema Körper und Macht: „Repitologia“ von Victor D’Olive beschreibt den kreativen Schaffensprozess eines Tänzers, der eine einzige Bewegung wiederholt. Ricardo de Paula verbindet, ausgehend vom Tod des amerikanischen Jungen Trayvon Martin, in „Shoot First“ die Lebenswelten eines Teenagers mit einer Auffassung des Körpers als physische Präsenz, die sich mit und in all ihren geschlechtsspezifischen, ethnischen und sozialen Bedeutungen bewegt.

Am 24. September hat die Theaterproduktion des Ballhaus Naunynstraße, „Schwarz tragen“ von Elizabeth Blonzen in der Regie von Branwen Okpako Premiere. Die Geschichte einer Schwarzen-WG in Deutschland beleuchtet ein Ur-Berliner Phänomen: Den Lebensentwurf Wohngemeinschaft, eine alltägliche Utopie, in der zwischen Küchentisch und Altbauwänden die Grenzen von Gemeinschaft verhandelt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Festivals ist die Identität Schwarzer Menschen in der Türkei: Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kamen viele schwarze Sklaven in das damalige Osmanische Reich. Mehrere Tausend Afrotürken leben heute an der Westküste der Türkei. Am 7. und 8. September wird es dazu eine Lesung und Vorträge geben, unter anderem mit dem Autor Mustafa Olpak, der Soziologin Lülüfer Körükmez, dem Aktivisten Serkan Doğuluer und der Wissenschaftlerin Onur Suzan Kömürcü Nobrega. Zum gleichen Thema produziert auch die Akademie der Autodidakten eine Ausgabe ihrer Kiez-Monatsschau.

Den gesamten Festivalzeitraum über ergänzen Installationen und Ausstellungen das Programm: „Homestory Deutschland – Schwarze Biographien in Geschichte und Gegenwart“ ist ein kollektives Selbstporträt, das afrikanische, afrikanisch-amerikanische und Schwarze deutsche Erinnerungstraditionen aufgreift. Die Ausstellung wird zum Festivalauftakt am 28. August zeitgleich mit der von Asoka Esuruoso kuratierten Videoinstallation „Black Mirrors. Memory. Body. Identity“ und der Klanginstallation „Backstreet Voices Powertrip“ von Noah Sow eröffnet. Die Fotografin Deborah Moses-Sanks beschreibt in ihrer Ausstellung „Community, On Common Ground“ Bilder aus dem Alltag Schwarzer Communities in den USA und in Deutschland und zeigt Menschen in Augenblicken, die ihre Verletzlichkeit genauso wie ihren Stolz, ihre Würde und Widerständigkeit zum Ausdruck bringen.


Black Lux – Ein Heimatfest aus Schwarzen Perspektiven
Vom 28. August bis zum 30. September 2013
Ballhaus Naunynstraße, Kreuzberg
Vollständiges Programmm unter www.ballhausnaunynstrasse.de

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