Mittwoch, 5. August 2020

Genuss am anderen Ufer

Von bedmin

Als Kreuzberger hat man wenig Veranlassung, zum Essengehen einen anderen Bezirk aufzusuchen. Das gastronomische Spektrum reicht vom Einsfuffzich-Döner bis zum Sterne-Restaurant – für jeden was dabei also.

Einen guten Grund, doch einmal den Landwehrkanal zu überqueren und im angesagten südlichen Nachbarbezirk seinen Hunger zu stillen, liefert der „Silberlöffel“ am Maybachufer. Gelegen an einer belebten Ecke, direkt an der Ohlauer Brücke, bietet das Restaurant mit seinen rund 30 Außenplätzen auf der lauschigen Terrasse Gelegenheit, das Leben und Treiben im Kreuzköllner Kiez zu beobachten – passendes Wetter vorausgesetzt.

Gediegener wird es mit dem Betreten des Innenraums: Das schlicht-elegante Ambiente mit dunklem Holzmobiliar und Kristall-Kronleuchtern wirkt ungewöhnlich edel in diesem Teil der Stadt. Wer angesichts dessen besorgt im Portemonnaie nachschaut, ob denn auch genug Geld darin ist, wird durch einen Blick in die Karte beruhigt: Die Preise sind moderat. Vorspeisen gibt es ab 3,90 Euro, die Hauptgerichte liegen zwischen 6 und 14 Euro, das Bier kostet 2,50 Euro.

Beim Speisenangebot setzt Koch und Inhaber Ayhan Yuvanc auf eine kreative Mischung aus klassischer mediterraner und moderner Regionalküche. Er findet: „Essen ist eine sinnliche Erfahrung, Kochen aber eine ernste Sache.“ Neben der festen Karte mit Klassikern wie mariniertem Kalbsbraten, Kräuterspätzle oder dem Gäste-Favoriten Wiener Schnitzel gibt es wechselnde Tages- und Wochenkarten, auf denen sich frische saisonale Produkte finden. Für Vegetarier gibt es eine kleine, aber feine Auswahl an fleischlosen Gerichten.

Dass Ayhan Yuvanc es ernst meint mit dem Kochen, schmeckt man. Die Gerichte sind mit Sorgfalt zubereitet und ausgesprochen fein gewürzt. Manche Zusammenstellungen wirken auf den ersten Blick überraschend, zum Beispiel die eher deutsch anmutende Kartoffelroulade mit einer Ingwer-Kokosmilch-Sauce, die nicht nur dem Gaumen erfreut, sondern durch einen Hauch Safran auch zum Eyecatcher wird. Auch beim Dessert stimmt alles: die Crème brulée ist so wie sie sein soll, mit einer zart-knackigen Zuckerkruste und einer schmelzenden Crème darunter, die leicht vanillig und vor allem nicht zu süß schmeckt.

Serviert werden die Köstlichkeiten von einer Kellnerin, die den nicht eben service-verwöhnten Berliner Gast in Erstaunen versetzt. Sie ist schnell, freundlich und unaufdringlich, aber aufmerksam. Der mitgebrachten Hundedame wird unaufgefordert ein Napf mit Wasser hingestellt, und auch die Zweibeiner am Tisch erhalten eine kleine Aufmerksamkeit „aufs Haus“. Dem Silberlöffel-Team ist offenbar daran gelegen, dass sich die Gäste rundum wohlfühlen.

Fazit: Einer dieser schönen Abende, an denen man sich angenehm satt und zufrieden zurücklehnt und feststellt, dass das kulinarische Glück auch mal jenseits des Landwehrkanals liegen kann.


Restaurant Silberlöffel
Maybachufer 21, Neukölln
Tel. 62 90 00 43
U-Bhf. U8 Schönleinstraße

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