Sonntag, 25. Juni 2017

Alte Verdienste und neue Akzente

Von Bettina Klatz

Foto: Hebbel am Ufer

Im Theater Hebbel am Ufer, kurz HAU genannt, gab die neue Leiterin Annemie Vanackere einen Einblick in die kommende Spielzeit und ihre künstlerische Vision für das traditionsreiche Haus im Herzen Kreuzbergs.

Vanackere würdigte die Verdienste ihrer Vorgänger Nele Hertling und Matthias Lilienthal, der dem HAU gleich zweimal die Auszeichnung „Theater des Jahres“ beschert hat, und freute sich über die weitere Förderung des Festivals „Tanz im August“ durch die Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten. Insgesamt wird das HAU jährlich mit 4,6 Millionen Euro ausgestattet.

Die Belgierin Vanackere berichtete über ihre Erfahrungen in der belgischen und niederländischen Theaterarbeit, wo der subventionierte Kultursektor durch Parteien der Rechten massiv abgebaut werde. Dies sei zum Glück in Deutschland noch nicht so, doch werde angesichts von Finanzkrise und Sparzwängen auch hier die Luft dünner. Als Neu-Berlinerin habe sie den Eindruck, so Vanackere, dass viele der geförderten Kultureinrichtungen sehr darum bemüht schienen, ständig ihre gesellschaftliche Relevanz und Förderungswürdigkeit unter Beweis zu stellen.

Dabei findet sie, dass Kunst sich auch und gerade in diesen Zeiten den Luxus erlauben müsse, keine Funktion, keinen Nutzwert zu haben, quasi eine höhere Form der Zeitverschwendung zu sein. Das Hebbel am Ufer solle ein Freiraum sein, in dem Denkzwänge, Festgefügtes und als selbstverständlich Etabliertes in Frage gestellt und durcheinander gebracht werden – in der Hoffnung, dass daraus Neues entsteht.

Im Eröffnungsmonat November – bis dahin wird das Haus technisch und optisch überholt – werden gleich 21 Projekte gezeigt, in insgesamt 49 Aufführungen mit über 100 beteiligten Künstlern. Darunter der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó, der Coetzee’s „Schande“ inszeniert, der brasilianische Autor und Regisseur Leonardo Moreira mit seinem Ensemble Cia Hiato und die Tänzerin und Choreographin Meg Stuart, der das HAU eine neue künstlerische Heimat in Berlin bieten will. Eine der zentralen Eröffnungsproduktionen am ersten November-Wochenende wird das „Disabled Theater“ von Jérôme Bel sein, das der französische Regisseur und Choreograph gemeinsam mit geistig behinderten Schauspielern vom Züricher Theater Hora entwickelte.

Vanackere betonte, dass der Charakter des HAU als interdisziplinäres Haus erhalten bleiben soll, das sich für Theater, Performance und Tanz ebenso zuständig fühlt wie für Musik, Bildende Kunst und Diskurs. Dabei will sie zum einen auf Kontinuität setzen, gleichzeitig aber auch neue Allianzen bilden und andere Kontexte herstellen. „An das Bestehende anknüpfen und dabei neue Akzente setzen,“ lautet das Motto, mit dem sie das HAU weiter mit Leben füllen und Impulse in die Stadt hineintragen will.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>