Dienstag, 21. Mai 2019

Die Vorteile der Gegensätze

Von Awazeh

Die neue Literaturreihe Vibrationshintergrund, die sich typisch für das Ballhaus Naunynstraße mit Themen aus Migrantensicht beschäftigt, begann mit Hatice Akyün.

Die türkischstämmige Autorin, in Deutschland aufgewachsen und geblieben, hatte vor einigen Jahren bereits Aufmerksamkeit mit ihrem ersten Buch “Einmal Hans mit scharfer Soße” erlangt. Zum Erscheinungsdatum des im Goldmann-Verlag erschienenen Werks im Jahr 2005 häuften sich Bücher türkischsprachiger Autorinnen, die meisten handelten von Leidensgeschichten über Zwangsheiraten, Ehrenmorden und von der Unterdrückung der Frauen. Akyüns Bestseller hebt sich deutlich davon ab: leicht und unbeschwert erzählt sie von gelebten Klischees, Vor- und Nachteilen des bisweilen glitschigen Lebens zwischen den Kulturen und von der Komik der Gegensätze. Ihre einzige Leidensgeschichte: die vergebliche Suche nach einem Mann. Sprachlich nicht brillant, aber stets humorvoll.

Genauso präsentiert sich Hatice Akyün dem aufmerksamen Ballhaus-Publikum. Sympathisch erzählt sie von ihrer Familie, der alten und neuen, dem Deutsch- und Türkischsein, darüber dass sie sich nicht mehr entscheiden, nicht mehr rechtfertigen muss, für das was sie ist: Eine Türkin der zweiten Generation in Deutschland. Als Journalistin widmet sie sich seit einigen Jahren vorrangig den Ballhaus-Themen, jeden Montag erscheint ihre Hauptstadtkolumne Im Tagesspiegel, mit den Lebensweisheiten ihres Vaters. Im obersten Ballhausraum unterhält sie ihr Publikum an diesem Samstagabend gut, auch ohne die Fragen des nervös agierenden Interviewers von der taz.

Journalistin und Autorin Hatice Akyün

„Ich bin die harmloseste Migrantin“ betont sie auf die Nachfrage einer Zuschauerin bezüglich negativer und rassistischer Kommentare auf ihre Kolumnen. Ihre Kolumnen seien vielmehr eine Liebeserklärung an Deutsche und Türken, kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als auch. Ihre Familie aus Anatolien, sei das beste Beispiel für die Vielfältigkeit der Migranten in Deutschland. Die Eltern Analphabeten, eine Schwester trägt freiwillig Kopftuch, ein Bruder arbeitet im Handyladen, ein anderer hat studiert und Hatice Akyün, die Journalistin, schreibt offenherzig über all ihre Erfahrungen. Nach den unzähligen und unsäglichen Debatten der Vergangenheit ist es erfrischend, die schweren Themen Migration und Integration auch mal leicht zu nehmen.

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