Mittwoch, 23. Januar 2019

Von der Leidenschaft, die Werke schafft

Von Awazeh

v.ln.r.Lars von Börne, Timo Berger, Ángel de la Calle, die Übersetzerinnen

Anlässlich des internationalen Literaturfestivals präsentierte der spanische Autor Ángel de la Calle sein neues Werk, ein Comicbuch, neudeutsch Graphic Novel, mit dem Titel Modotti. Der Untertitel enthüllt Modotti vorab als Frau des 20. Jahrhunderts. Interesse geweckt, denn müsste man die dann nicht eigentlich kennen? Modotti, ist Tina Modotti, geboren 1896 in Italien, gelebt in San Francisco, Los Angeles, Berlin, Moskau, und vor allen in Mexiko-Stadt, bekannt geworden als Porträtfotografin, kommunistische Revolutionärin, Muse und Geliebte bekannter Männer. Der Tod ihres langjährigen Geliebten sowie ihr eigener Tod sind rätselhaft geblieben. Trotz des Mythos, trotz ihrer Bekanntschaften mit Diego Rivera, Frida Kahlo, Edward Weston, blieb sie außerhalb der spanisch-sprachigen Welt unbekannt.

Zur gut besuchten Buchvorstellung in der Kreuzberger Eventlocation Südblock konnte das Publikum durch einen kurze filmische Zusammenstellung einiger Bilder aus dem Buch und passender musikalischer Untermalung einen ersten Eindruck von Modotti und ihrem Leben in den 20er und 30er Jahren gewinnen. Lars von Börne, Tagesspiegel-Redakteur und Moderator der Veranstaltung stellte dann die Fragen, die wohl auch die meisten im Publikum interessierten: „Was motivierte sie daran, was ist der Reiz an Modottis Lebensgeschichte? Wieso blieb sie unbekannt?“ „Modotti trage ich schon seit drei oder vier Jahren in meinem Koffer mit mir herum, ihre Person faszinierte mich, ich las immer mehrere Biografien gleichzeitig“ erwiderte der Autor in seiner Muttersprache Spanisch, flink übersetzt von der charmanten, des Deutschen etwas unsicheren Übersetzerin. „In den letzten zehn Jahren hat sie weder Fotos noch Zeichnungen gemacht, Modotti fehlte die Kraft für neue und innovative Arbeiten, aber sie wollte sich auf gar keinen Fall wiederholen. Sie war eine echte Künstlerin“ fuhr de la Calle weiter fort, seine Leidenschaft für das Thema übertrumpfte sichtlich die anfängliche Nervosität.

Der Autor Ángel de la Calle

Die Form des Graphic Novel bot mehrere Vorteile für de la Calle, der sich selbst als Anarchist bezeichnet: Zum einen konnte er sich damit als Autor neu erfinden, zum anderen seine ironische Distanz besonders zu den kommunistischen Episoden besser zum Ausdruck bringen. Sein Comic besticht durch zahlreiche Verweise auf mehreren Sprachebenen. Bisweilen stellte ihn die Comicform auch vor Herausforderungen, beispielsweise in der Episode, in der Modotti ihrem Liebhaber Mella beichtet, dass sie keine Kinder kriegen kann. De la Calle entschied sich listig für einen Nachtszene und einen schwarzen Hintergrund, die Gesichter sind nicht mehr erkennbar, die Emotionen jedoch schon. Genau diese Szene wird dann auch als Leseprobe in der deutschen Übersetzung von Timo Berger, ebenfalls anwesend, vom Tagesspiegel-Redakteur vorgetragen. Das Publikum fühlt sich sichtlich gut unterhalten.

Nach der Lesung habe ich nicht nur Tina Modotti, eine leidenschaftliche Frau des 20. Jahrhunderts kennengelernt, sondern auch einen Autor, der ihr seine Leidenschaft schenkte.

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