Montag, 29. August 2016

Wo Kunstausstellung und Salonkultur sich treffen

Von Philipp Koch

Boris Duhm: HundeHerrscher

Die Tradition der Salons, im eigentlichen Sinne ja längst ausgestorben, lebt in Berlin auf ganz andere Weise wieder auf. Neben den elitär gemeinten Literatursalons, die das Wort Salon häufig eher als Deckmäntelchen für ein mehr oder weniger exklusives Event missbrauchen, setzt sich diese Form der Veranstaltung nun auch in Teilen der Kunstszene als Alternative zu den althergebrachten Formaten der Präsentation durch. Der in Friedrichhain lebende Künstler Boris Duhm legt, nach einem erfolgreich durchgeführtem ersten Salon in den eigenen vier Wänden mit 52 teilnehmenden Künstlern aus aller Herren Länder, nun in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle M3 mit einem öffentlichen Salon nach.

Man darf sich das Ganze ruhig so vorstellen wie eine Gruppenausstellung, nur dass hier wild in Petersburger Hängung an die Wände gegangen wird und man manchmal eher staunend vor dem Mosaik der Bildwelten steht, die sich da zusammenbrauen. Insofern ähnelt dieser Salon eher den großen Schauen auf Messen als einer durchkonstruierten und sorgfältig kuratierten Ausstellung. Der wirklich reizvolle Aspekt sind die Entdeckungen, die da gemacht werden können. Da hängt dann schon mal ein unbekannter junger Fotograf neben einem gestandenen Malereiveteranen, der vielleicht sogar auf eine Galerie verweisen kann, die ihn vertritt.

Mit dem Punkt der Galerie wäre man dann auch bei der hauptsächlichen Motivation dieser Art von Ausstellung. Auch wenn es in Berlin geschätzte 600 und soundsoviel Galerien gibt, sind viele der hier lebenden freien Künstler abgeschnitten von einer wirklichen Vertretung durch einen Galeristen. Das liegt zum einen an den strukturellen Verhältnissen des Kunstmarktes, in dem einige wenige Galerien sich das große Geschäft mit Sammlern teilen und andererseits an der überbordenden Masse an Künstlern, die sich auf dem – vom Finanziellen her betrachtet – doch eher mageren Berliner Markt tummeln. So ist ein Salon auch immer Hilfe zur Selbsthilfe und will Aufmerksamkeit generieren, für die ausstellenden Künstler und die Vielfalt der in Berlin produzierten Kunst.

Wer Lust auf eine Entdeckungsreise durch die Berliner Kunstlandschaft hat, sollte sich auf den Weg nach Treptow machen und diese außergewöhnliche Ausstellung besuchen.


Kunstsalon Murid Bosh
Ausstellung vom 11. März bis 1. April
geöffnet Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr
Mengerzeile 3, Berlin-Treptow

One comment on “Wo Kunstausstellung und Salonkultur sich treffen

  1. Pingback: MIRKO TZOTSCHEW » Murid Bosh and the Press

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