Freitag, 24. November 2017

Der Koch des Jahres kommt aus Kreuzberg

Von Bettina Klatz

Der frisch gekürte Koch des Jahres: Horváth-Küchenchef Sebastian Frank

Die Wangen glühen vor Aufregung, das Telefon steht nicht mehr still: mit gerade mal 29 Jahren hat sich Sebastian Frank zu Ruhm und Ehre gekocht.

Eigentlich kommt er ja gar nicht aus Berlin. Sebastian Frank ist gebürtiger Österreicher und vor zwei Jahren der Liebe wegen hergezogen. Seit Mai 2010 schwingt der junge Küchenchef nun im Restaurant Horváth am Paul-Lincke-Ufer den Kochlöffel und hat sich mit seiner modern interpretierten alpenländischen Küche viele Freunde gemacht. Dafür gab es jetzt eine hohe Auszeichnung: auf der Gastro-Fachmesse Anuga setzte sich Frank beim Wettbewerb zum Koch des Jahres gegen Konkurrenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch und erkochte sich mit einem herbstlichen Drei-Gänge-Menü den Titel.

Da dürften sich die Adlon-Verantwortlichen in den Hintern beißen: Dort hatte sich Sebastian Frank nämlich als ganz normaler Koch beworben, nachdem er im vergangenen Jahr ohne Job und ohne Kontakte in Berlin angekommen war. Fast hätte es geklappt – doch dann kam ein Angebot dazwischen, das er nicht ablehnen konnte: Im Kreuzberger Traditionsrestaurant Horváth blieben nach dem Weggang von Wolfgang Müller die Gäste aus, es wurde dringend ein neuer Küchenchef gesucht. Frank überlegte nicht lange und startete mit neuem Team und neuem Konzept durch. Und seine originellen Kreationen österreichischer Prägung kamen an bei den Berlinern; manch Gastrokritiker geriet darüber so ins Schwärmen, dass es eine Zeitlang schwierig war, im Horváth einen Tisch zu bekommen.

Die Küche seines Heimatlandes sieht Sebastian Frank als das Fundament, auf dem er seine kulinarischen Experimente aufbaut. „Unser Essen soll schon modern sein, aber immer auch ein bisschen so schmecken wie früher,“ sagt er. „Jeder hat eine Vorstellung davon, wie zum Beispiel ein Schweinebraten schmecken sollte. Das wollen wir erfüllen und zusätzlich etwas Neues, Überraschendes zufügen.“ Dabei profitiert er von den vielfältigen Einflüssen früherer k.u.k.-Staaten wie Ungarn, Jugoslawien oder der Tschechoslowakei, die ihre aromatischen Spuren in der österreichischen Küche hinterlassen haben.

„Ich bin ja international noch nicht viel herumgekommen als Koch, also mach ich das, was ich am besten kann: österreichisch kochen,“ sagte Sebastian Frank bescheiden. Wie gut er das kann, dürfte spätestens nach seiner neuen Auszeichnung klar sein. Und so wäre es auch nicht verwunderlich, wenn demnächst am Kreuzberger Gastrohimmel ein neuer Stern funkelte.

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