Dienstag, 22. Oktober 2019

Schinkel war’s

Von bedmin


Wieso heißt Kreuzberg eigentlich Kreuzberg?

“Na wegen dem Kreuzberg!” lautet die typische Antwort auf diese Frage. Grammatikalisch falsch und auch sachlich nur zum Teil richtig. War der namengebende Berg doch früher als Sandberg oder auch Runder Weinberg bekannt. Wein wurde an seinen Hängen schon im 15. Jahrhundert angebaut, doch fielen sämtliche Rebstöcke im Jahr 1740 einem besonders strengem Winter zum Opfer. Erst 1968 fanden Weinbauern aus Wiesbaden, man müsse den Berlinern etwas zu tun geben und schenkten der Partnerstadt im kühlen Nordosten ein paar Weinstöcke von ihrem Neroberg. Seither werden die am Südhang des Berges gereiften Trauben von den Berlinern brav abgeerntet, zum Keltern dann aber zurück nach Wiesbaden geschickt, wo jährlich etwa 600 Flaschen “Kreuz-Neroberger” abgefüllt werden.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein lautete der offizielle Name der 66 m hohen Erhebung am Rand der Tempelhofer Vorstadt “Tempelhofer Berg”. Zum Glück blieb das nicht so, sonst würde der Bezirk heute vermutlich mit Tempelberg abgekürzt werden, womit eventuell die jüdische Gemeinde ein Problem hätte, und der Gassenhauer “Tempelberger Nächte sind lang” ließe sich nicht mehr so flüssig singen.

1818 beauftragte Friedrich Wilhelm III. seinen Baumeister Schinkel mit der Errichtung eines Nationaldenkmals, das an Preußens Siege in den Befreiungskriegen gegen Napoleon erinnern sollte. Um weithin sichtbar zu sein, wurde das Denkmal an der höchsten Stelle der höchsten Erhebung innerhalb Berlins aufgestellt. Schinkels Entwurf hatte einen kreuzförmigen Grundriss, und die pyramidenförmig aufgebaute Säule des Denkmals wurde von einem Eisernen Kreuz gekrönt. So beschloss man kurzerhand, den ganzen Berg mit Einweihung des Denkmals gleich mit umzubenennen – am 30. März 1821 wurde der Kreuzberg geboren.

Knapp hundert Jahre später wurden bei der Bildung der neuen Stadtgemeinde “Groß-Berlin” die Bezirke reorganisiert. Aus der Tempelhofer Vorstadt, der Oberen Friedrichsvorstadt, der südlichen Friedrichstadt und einem Teil der Luisenstadt konstituierte sich 1920 der neue Bezirk “Hallesches Tor”. Da das nun noch blöder klingt als Tempelhofer Berg (oder kann sich jemand vorstellen, dass eine TV-Serie “Liebling Hallesches Tor” irgendeine Aussicht auf Erfolg gehabt hätte?), wurde der Bezirk schon ein Jahr später wieder umbenannt. Seit 1921 heißt Kreuzberg nun also Kreuzberg. Und das ist auch gut so.

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