Donnerstag, 15. November 2018

Frank + Klaus = ♥

Von bedmin


Bei den Berliner Grünen wird unverdrossen weitergezankt. Nachdem die Parteilinke, deren Kritik zum Rücktritt von Volker Ratzmann geführt hatte, mit der Kreuzbergerin Heidi Kosche endlich eine eigene Kandidatin für den Fraktionsvorsitz präsentieren konnte, ließ der Realo-Flügel ebendiese bei den Vorstandswahlen durchfallen. Ramona Pop kann sich nun darauf einstellen, ihre streitlustige Fraktion noch für mindestens ein Jahr allein zu führen.

Volker Ratzmann meldet sich derweil mit einer Generalabrechnung im Tagesspiegel zu Wort. Darin kritisiert er vor allem die Berliner Parteilinken, die “ein innerparteiliches Wahlergebnis infrage stellen und stattdessen die einflussreichsten Ämter familiär verbinden wollen” – gemeint ist die Tatsache, dass der Landesvorsitzende Daniel Wesener und der zunächst als Fraktionschef gehandelte Kreuzberger Dirk Behrendt ein Paar sind. Aber auch die Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wieland und Hans-Christian Ströbele seien mitverantwortlich für das enttäuschende Wahlergebnis der Grünen in Berlin, hätten sie doch im Januar 2010 Renate Künast eigenmächtig und viel zu früh als Spitzenkandidatin ausgerufen.

Zwei, deren Wahlergebnis ein bisschen besser ausgefallen war, schlossen letzte Woche den Bund fürs Regieren. Am Montagabend hatten sowohl SPD als auch CDU den ausgehandelten Koalitionsvertrag auf ihren Parteitagen gebilligt. Bei der CDU ohne Aussprache und einstimmig; die SPD brauchte immerhin eine zweistündige Debatte, an deren Ende sich 79 Prozent der Delegierten für die rot-schwarze Koalition aussprachen. Der am Mittwoch unterzeichnete Vertrag ist knapp 100 Seiten dick und steht unter dem Motto “Berliner Perspektiven für starke Wirtschaft, gute Arbeit und sozialen Zusammenhalt”. Klaus Wowereit fasste die Inhalte zusammen als “Berlin soll reicher werden, aber sexy bleiben.” Am Donnerstag ließ er sich dann zum dritten Mal zum Landesfürsten krönen; die neuen Senatoren werden Anfang der nächsten Woche vorgestellt.

Wie sexy Berlin ist, lässt sich jedes Jahr auch an der Gästeliste des Presseballs ablesen. Angeführt von einem Bundespräsidenten, der seine Gattin für cool hält, weil sie tätowiert ist, tanzten in West-Berlins einstigem Nobelhotel Intercontinental mehr als 2.500 “Spitzen aus Politik, Wirtschaft und Medien” (Auskunft des Veranstalters) zur fetzigen Musik von “Ingo Nommsen und den Baseballs”. “Ein rauschendes Fest,” befand der Tagesspiegel – und welch illustren Gäste: es gab Bundesminister von der CSU und der FDP zu bewundern, Abgeordnete der Piratenpartei im geliehenen Smoking, leicht bekleidete, sehr junge Begleiterinnen beleibter älterer Herren, einen Friseur, der der Elite nicht nur die Haare schneidet, sondern sich auch selbst dazuzählt, und als Stargast: Nena. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat übrigens den Bundespresseball noch kein einziges Mal besucht. „Es gibt auch andere kulturelle Höhepunkte“, hatte sie einmal ihre Absage begründet. Da kann man ihr nur recht geben.

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