Montag, 25. März 2019

Ohne Sinn und Verstand

Von bedmin


Eine großereignisreiche Woche liegt hinter der Hauptstadt und ihren gebeutelten Bewohnern. Papst, Marathon und Koalitionsverhandlungen dominierten die Medien, insbesondere der Besuch aus Rom füllte die Seiten. Ob es nötig ist, dass wegen eines Staatsbesuches und eines Sportevents die Innenstadt einer Metropole tagelang lahmgelegt wird, fragt (nicht nur) der Tagesspiegel. Das Konzept der Polizei: alles sperren, nichts regeln. Ratlose Autofahrer, die in dem Verkehrschaos einen Polizisten nach freien Straßen fragten, erhielten keine Auskunft; selbst die BVG wusste beim Papstbesuch nicht, wo sie noch fahren konnte und wo nicht. Die Berliner Polizei selbst verbucht ihren rund eine Million Euro teuren Einsatz als Erfolg – vermutlich weil der aus über 100 Fahrzeugen bestehende Papst-Konvoi überall schön zügig vorangekommen ist. Wen interessieren da schon die Einzelschicksale jener, die es nicht pünktlich zur Arbeit, zur Uni oder erst gar nicht in ihre Wohnung geschafft haben?

Der Herr Ratzinger hatte die Stadt gerade verlassen, als Tausende von Turnschuhträgern in bunter Funktionskleidung mit Nummern auf der Brust über sie herfielen. Die Straße des 17. Juni, tags zuvor noch ein gruseliger Anblick in ihrer völligen Menschenleere, wurde zur Laufstrecke. Am Samstag rollten 6.500 Skater durch die Stadt, am Sonntagmorgen folgten die über 40.000 Läufer. Favorit Haile Gebrselassie aus Äthiopien, immerhin schon 38 Jahre alt, musste bei Kilometer 36 wegen Atemproblemen aufgeben, der neue Sieger Patrick Makau aus Kenia knackte mit 2:03:38 Stunden dann auch Gebrselassies Weltrekord von 2008. Schnellste Frau war Florence Kiplagat aus Kenia vor der Deutschen Irina Mikitenko.

SPD und Grüne trafen sich in der vergangenen Woche mehrfach zu Sondierungsgesprächen, alle Zeichen deuten auf ein bevorstehendes Regierungsbündnis hin. Wie die Berliner Zeitung schreibt, ist beim Haupt-Knackpunkt, dem von Wowereit gewünschten und von den Grünen strikt abgelehnten Weiterbau der A100, ein Kompromiss erzielt worden. Zwar sind noch keine Details der Einigung bekannt, doch offenbar wird der Bau einfach erst mal verschoben. Im Koalitionsvertrag soll das Projekt nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden, ein Datum für den Baubeginn wird aber nicht festgelegt. Man wolle zunächst den Ausgang der Klage vom Naturschutzbund und einer Bürgerinitiative abwarten, heißt es. Ein entschiedenes Nein, wie es die Grünen vor der Wahl so vollmundig in die Welt posaunt hatten, sieht definitiv anders aus.

3 comments on “Ohne Sinn und Verstand

  1. bedmin on said:

    Danke für den Hinweis. Hier geht’s zum Abo:
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  2. Guter Blog, gefaellt mir sehr gut. Auch tolle Themen.

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