Freitag, 24. November 2017

Pöbel im Anmarsch

Von bedmin

Foto: Mikael Zellmann via Flickr.com


Eine “Veranstaltung der Superlative” plante die sogenannte Bürgerbewegung “pro Deutschland” am vergangenen Wochenende in Berlin. Zwei Tage lang wollte man mit großem Aufgebot unter dem Motto “Der Islam gehört nicht zu Europa” durch die Hauptstadt marschieren und an “politischen Brennpunkten” – gemeint waren Moscheen und linke Hausprojekte – Kundgebungen veranstalten.

Der einzige Superlativ des Wochenendes blieb dann aber die Temperatur. Das Thermometer kletterte am Sonntag auf über 30 Grad und erreichte damit fast die Zahl der “pro Deutschland”-Anhänger. Begleitet wurde das armselige Häuflein von etwa 45 Demonstranten bei seiner rassistischen Stadtrundfahrt von Hunderten von Polizisten; insgesamt waren am Wochenende in ganz Berlin 1800 Polizeibeamte im Einsatz, zum Teil extra aus anderen Bundesländern angereist. Sie sorgten dafür, dass zwischen den Rechten und der nicht nur zahlenmäßig überlegenen Fraktion der Gegendemonstranten aus dem bürgerlichen und linken Lager stets ein beträchtlicher Abstand eingehalten wurde. So gelang es den Populisten auch nicht, wie geplant zum linken Hausprojekt Köpi vorzudringen. Auf Wunsch der Polizei mussten sie bereits auf der Schillingbrücke aus ihren Kleinbussen klettern, durften dann hundert Meter marschieren und kurz vor dem verdi-Gebäude ihre Flaggen schwenken. Gerüchteweise wurden auch Ansprachen gehalten sowie die Nationalhymne vorgetragen, was aber in den lautstarken Gesängen der Gegenseite (“Ohne den Verfassungsschutz wärt ihr nur zu dritt”) unterging.

Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich am Sonntag in Kreuzberg zufrieden über den “friedlichen” Verlauf des Wochenendes. Wieviel der massive Polizeieinsatz das Land Berlin kosten wird, erwähnte Henkel nicht. Betroffenenverbände wie der Moscheenverband Islamische Föderation Berlin sowie einige Medien warfen bereits die Frage auf, ob ein einfaches Ignorieren von vier Dutzend Islamhassern nicht wirkungsvoller wäre als ihnen durch ein Großaufgebot an Polizei und partielles Lahmlegen der Hauptstadt unnötig Geltung und Aufmerksamkeit zu verschaffen. Billiger wäre es allemal.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>