Dienstag, 22. Oktober 2019

Ist Zeitung Kunst?

Von bedmin

Jonathan Meese findet: Alles ist Kunst.
Foto: BureauN

Mit dieser Frage beschäftigen sich die 56 Künstler, deren Exponate in der “ARTandPRESS” Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zu sehen sind.

Ein Blick in die Kunstgeschichte der letzten 150 Jahre zeigt, dass Kunst und Presse intensiv miteinander verbunden sind. Ob Werke von Feininger, Picasso, Warhol oder Anselm Kiefer – die Beschäftigung der Künstler mit den Medien, insbesondere der Zeitung, ist und bleibt ein großes Thema.

Künstler setzen sich mit den Medien, ob in der Funktion als Instrument der Aufklärung oder der Manipulation, auf vielfältige Weise auseinander. Motivation und Bedeutung für die Nutzung sind dabei immer unterschiedlich. Kunst und Zeitung begegnen sich in ihrem Willen zur Nachfrage, Klärung und zum Infragestellen, auch im Willen, die Realität darzustellen – sei sie objektiv oder subjektiv. Trotz aller radikalen Veränderungen im digitalen Medienzeitalter gilt: Ohne die Zeitung sind Demokratie, unser moderner Staat und unsere Informationsgesellschaft nicht denkbar. Sie ist von Anfang an der wichtigste Informationsträger, den wir haben, und als solcher auch in der Kunst heute noch immer sehr präsent.

Die Ausstellung zeigt über 50 künstlerische Positionen zu dem Thema, von Andy Warhol, Robert Rauschenberg und Joseph Beuys über Sigmar Polke, Gerhard Richter und Anselm Kiefer bis zu Ai Weiwei, Julian Schnabel und Rirkrit Tiravanija. Viele Künstler haben eigens für die Ausstellung neue Arbeiten realisiert oder aus ihrem Œuvre ausgewählt. Anselm Kiefer beispielsweise zeigt im zentralen Lichthof des Martin-Gropius-Bau eine große Installation, die seine Sicht auf das Thema Medienwandel widerspiegeln soll. Der junge iranische Künstler Farhad Moshiri beschäftigt sich in seiner Installation “Kiosk de Curiosité” mit dem Thema Zensur. In ihrem Bilderzyklus “Headlines” werfen Gilbert & George mit zitierten Schlagzeilen die Frage nach der Produktion von Nachrichten und deren Wahrheitsgehalt auf. Ai Weiwei, zuletzt mit einer Foto-Aussellung im Gropiusbau vertreten, hat eigens für die Ausstellung eine Rauminstallation aus Armier-Stahl geschaffen. Das Material dafür stammt von einem erdbebenzerstörten Schulgebäude, unter dem über 1000 Schüler begraben wurden – der Stahl als Beweisstück auf der Suche nach der Wahrheit, über die in China nicht berichtet werden durfte.

Neben den zeitgenössischen Exponaten ist auch ein historischer Überblick zu sehen – nicht im Original, sondern mittels iPad: Das Medium, das man als die digitale Seite der Zeitung und zugleich als ihren großen Herausforderer beschreiben könnte, wird seinerseits zum Träger von Kunstinformationen, in bildlicher und interaktiver Form. Von Otto Dix über Kurt Schwitters bis John Heartfield wird die künstlerische Auseinandersetzung mit der Zeitung ab Mitte des 19. Jahrhunderts digital vermittelt und macht den Besucher mit wesentlichen Werken des Impressionismus, des Kubismus, des Dadaismus, der Neuen Sachlichkeit, der Pop Art und der Konzeptkunst bekannt.


Ausstellung ARTandPRESS
23. März bis 24. Juni 2012
Martin-Gropius-Bau, Niederkirchner Str. 7
Öffnungszeiten Mi-Mo 10:00–19:00 (Di geschlossen)
Öffentliche Führungen jeden Sonntag um 14 Uhr
Preis 3 Euro zzgl. Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro p. P.
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