Mittwoch, 26. Juli 2017

Doppelspitze im Ballhaus

Von Bettina Klatz

Die Neuen von der Naunynstraße: Wagner Carvalho und Tunçay Kulaoğlu treten im Herbst die Nachfolge von Ballhaus-Chefin Shermin Langhoff an.

Nach dem Wechsel von Shermin Langhoff ans Gorki-Theater werden künftig zwei künstlerische Leiter die Geschicke des Ballhauses an der Naunynstraße bestimmen. Der Tänzer und Kurator Wagner Carvalho und Tunçay Kulaoğlu, langjähriger Weggefährte Langhoffs und Dramaturg des Hauses, übernehmen mit der Spielzeit 2012/13 die Nachfolge der erfolgreichen Theatermacherin.

Langhoff, die ursprünglich 2014 als Chefkuratorin und stellvertretende Intendantin der Wiener Festwochen nach Österreich wechseln wollte, entschied sich in letzter Minute doch noch für Berlin und wird am Maxim-Gorki-Theater Nachfolgerin von Armin Petras, den es nach Stuttgart ans Württembergische Staatstheater zieht. Mit ihrer bisherigen Wirkungsstätte hofft sie eng verbunden zu bleiben. “Insbesondere bei der Förderung des künstlerischen Nachwuchses wollen wir weiter eng zusammenarbeiten,” sagte Langhoff am Montag bei der Vorstellung ihrer designierten Nachfolger.

Verlässt das Ballhaus nach fünf erfolgreichen Jahren, um Intendantin des Gorki-Theaters zu werden: Shermin Langhoff bei der Vorstellung ihrer Nachfolger.

Mit beiden hat sie schon am Hebbel-Theater wie auch in der Naunynstraße gearbeitet und ist überzeugt, dass sie den erfolgreichen Weg des Ballhauses nicht nur fortsetzen, sondern auch neue Akzente setzen werden. So wird unter Wagner Carvalho ein weiterer Schwerpunkt auf den internationalen zeitgenössischen Tanz und dessen Nachwuchsförderung gelegt. Tunçay Kulaoğlu gab schon mal einen kurzen Einblick in die kommende Spielzeit, die unter anderem eine neue Inszenierung von Hakan Savas Mican, ein Musical von Senan Altan und ein griechisches Theaterprojekt bereithält, worüber sich der Türke Kulaoglu besonders freut. Außerdem erhalten drei Schauspielerinnen des Hauses die Gelegenheit, ihre ersten Regiearbeiten zu präsentieren.

Nach wie vor sieht sich das Haus als Theater der Postmigration, bestätigt das neue Führungsduo. “Das wird auch noch lange so bleiben, weil wir von dem Ziel der Selbstverständlichkeit kultureller Vielfalt noch weit entfernt sind,” betont der Brasilianer Carvalho. Daher fürchten sich beide auch nicht vor möglicher Konkurrenz durch die bisherige Chefin, sondern sind im Gegenteil froh, dass Langhoff in Berlin bleibt und auch am Gorki-Theater künftig postmigrantische Themen in die Arbeit einfließen lassen wird. “Zum Glück,” sagt Kuraoğlu grinsend, “werden wir Türken doch immer kurz vor Wien abgefangen.”

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